Institutionen und Finanzen
Institutionelle Fragen
Übernahme des EU-Rechts im Takt seiner Entwicklung, Schiedsgericht bei Streitigkeiten, mögliche Ausgleichsmassnahmen bei einer Ablehnung.
Was sich ändert
- Die Schweiz verpflichtet sich, Weiterentwicklungen des EU-Rechts in sechs Binnenmarktabkommen «so rasch wie möglich» zu übernehmen. Von Beginn an übernimmt das Paket 94 EU-Gesetzgebungsakte.
- Sie hat zwei Jahre Zeit, um eine Übernahme zu genehmigen, und ein weiteres Jahr, wenn das Referendum ergriffen wird.
- Ein Streit, den der Gemischte Ausschuss nicht innert drei Monaten löst, geht vor ein paritätisches Schiedsgericht. Dieses ersucht den Gerichtshof der EU (EuGH) um die Auslegung des EU-Rechts.
Vorteile für die Schweiz
- Abkommen, die aktuell bleiben, ohne einseitige Blockade wie beim Abkommen über technische Handelshemmnisse seit 2021, so der Bundesrat.
- Keine Retorsionsmassnahmen mehr ausserhalb jedes Rahmens, wie bei der Börse oder bei Horizon, so der Bundesrat. Offizielle FAQ·S. 8 Mehr Rechtssicherheit laut economiesuisse, dem Schweizerischen Gemeindeverband und dem Schweizerischen Städteverband.
- Den Streit entscheidet das Schiedsgericht, nicht der EuGH, so der Bundesrat. Faktenblatt Institutionelles·S. 4 Für SP, Grüne, Grünliberale und EVP schützt dieses Schiedsverfahren die Schweiz als «kleinere Partei» besser.
Einschränkungen für die Schweiz
- Eine Ablehnung einer Übernahme geht zuerst an den Gemischten Ausschuss und kann dann zu einem Schiedsverfahren und zu Ausgleichsmassnahmen führen. Botschaft des Bundesrates·Ziff. 2.1.6.2.8·S. 103 SVP und EDU sehen darin eine faktisch «automatische» Übernahme.
- Die Schweiz stimmt über die Regeln, die sie übernimmt, nicht ab: Sie hat weder einen Sitz im Rat der EU noch Abgeordnete im Europäischen Parlament. Botschaft des Bundesrates·Ziff. 2.1.6.2.1·S. 94 Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete spricht von einem Mitspracherecht ohne Mitentscheidungsrecht.
- Die Auslegung des EuGH ist für das Schiedsgericht verbindlich. FZA: Institutionelles Protokoll·Art. 10, Abs. 4·S. 9 Die SVP spricht von «fremden Richtern», Ergebnisbericht Vernehmlassung·S. 25 Kompass/Europa von einer «Unterwerfung» unter die EU-Gerichtsbarkeit.